Langzeitbelichtungen – Teil 1 – Allgemeines

Langzeitbelichtung Los Angeles - Tower

Was ist eine Langzeitbelichtung in der Fotografie?

Langzeitbelichtung Los Angeles - TowerVon Langzeitbelichtungen spricht man in der Fotografie in der Regel ab einer Belichtungszeit von mehreren Sekunden bis hin zu Minuten und im Extrem sogar bis zu mehreren Monaten. Bei Langzeitbelichtungen wählte man früher in der analogen Fotografie einen Film mit niedriger Lichtempfindlichkeit, einem geringen ISO-Wert, wählte am Objektiv eine möglichst große Blende (hohe Blendenzahl) um möglichst wenig Licht einfallen zu lassen, und belichtete Nachts oft über mehrere Sekunden bis zu Minuten das Bild. Dies hat sich auch in der digitalen Fotografie nicht geändert, ist allerdings bei einer kleineren „Point and Shoot“ Kamera meist nur unter Umständen möglich. Die Änderung eines ISO Wertes sollte auch hier möglich sein, jedoch die Einstellung einer Blendenöffnung ist ohne aufgeschraubtes Objektiv nicht realisierbar. In einem späteren Beitrag kommen wir aber darauf noch mal zurück, wie man auch mit einer solchen Kamera ganz passable Langzeitbelichtungen erhalten kann.

Technische Grundlagen

Blendenzahl

Die Blendenzahl stellt den Wert bzw. das Verhältnis von der Brennweite zum Durchmesser der „Eintritts-Linse“ am Objektiv dar. Der Wert berechnet sich nach folgender Formel: Blendenzahl (k) = Brennweite (f) : Durchmesser der Eintrittspupille (D). Wenn wir jetzt gegebene Werte, gerechnet mit einer festen Brennweite von z.B. 50mm, in die Formel zur Ermittlung der Blendenzahl einsetzen ergibt sich für den Durchmesser der Eintrittspupille (D) folgender Wert nach Umstellung der Formel (D = f : k):

  • 50 mm Brennweite : Blende 32 = 1.5625 mm Durchmesser der Eintrittspupille
  • 50 mm Brennweite : Blende 8 = 6.25 mm Durchmesser der Eintrittspupille

 
Nikon Nikkor Objektiv mit 50mm Brennweite, 1.4 LichtstärkeDies ist ein Wert, von dem man z.B. bei dem abgebildeten Objektiv von Nikon, dem Nikon AF Nikkor 50mm 1:1,4D Objektiv, ausgehen kann. Daraus folgt: je größer die Blende bei gleichbleibender Blende, desto kleiner der Durchmesser der Eintrittspupille, desto geringer der Lichteinfall und je kleiner die Blende, desto größer der Durchmesser der Eintrittspupille, desto höher der Lichteinfall. Deshalb wählt man bei einer Langzeitbelichtung eine möglichst große Blende am Objektiv, was zudem noch zur Folge hat, dass die Tiefenschärfe eines Bildes wesentlich erhöht wird und Vordergrund wie Hintergrund nahezu gleich scharf werden und sich der Schärfebereich des Bildes ausdehnt bzw. vergrößert. In der Fotografie wird anstatt von der Blendenöffnung eigentlich nur von der Blende gesprochen.

Kleine Blende viel Licht, große Blende wenig Licht!

ISO Wert

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Der Isowert ist eine Darstellung der Lichtempfindlichkeit eines Films. In der digitalen Fotografie gibt es zwar keinen Film mehr, denn dieser wurde durch einen Sensor in jeder Kamera ersetzt, aber man spricht dennoch von ISO Einstellungen, wenn man eigentlich die Lichtempfindlichkeit des Sensors meint. Dieser lässt sich sowohl bei kleineren „Point and Shoot“ Kameras, als auch bei Digitalen Spiegelreflexkameras ohne weiteres ändern. Je höher der ISO-Wert bei einer Langzeitbelichtung, desto kürzer folglich die Belichtungszeit, aber auch desto höher das Bildrauschen.
Der ISO Wert wird heute noch anhand einer Spezifikation von 1987 definiert. Bei regulären Filmen mit hohen ISO Werten (bis zu einem ISO von 8.000) für analoge Fotoapparate sind die lichtempfindlichen Kristalle, aus denen die Filme aufgebaut sind, so groß, weswegen es bei einer Belichtung zu der typischen Körnung kommt. Diese Körnung ist das analoge Gegenstück des ISO-Rauschens in der heutigen Zeit bei digitalen Kameras.

Belichtungszeit

Langzeitbelichtung von Gewitter in Texas "Lightening Storm"Bei der Langzeitbelichtung wählt man längere Belichtungszeiten von mehreren Sekunden bis zu Minuten und Stunden, je nach Umgebungslicht, Motiv und Aufnahmesituation. Wenn Ihre Kamera den „Bulb Modus“ (gekennzeichnet oft durch ein B für engl. Blasebalg/-ball) nicht unterstützt, wählt die Kamera in der Regel je nach Motiv eine passende Belichtungszeit. Dies ist in der Regel bei allen „Point and Shoot“ Digitalkameras der Fall; somit haben Sie auch mit diesen Kameras bedingt die Möglichkeit Langzeitbelichtungen druchzuführen, selbst wenn entscheidende Einstellungsmöglichkeiten wie Brennweite und Blende oft teilweise oder ganz fehlen.
Wenn Sie eine digitale Spiegelreflex-Kamera haben sind Sie generell perfekt für gelungene Langzeitaufnahmen gerüstet.

Wie man Langzeitbelichtungen macht und was es noch zu beachten gibt an Ausrüstung, Hilfsmittel, etc. besprechen wir in den folgenden Teilen dieser Serie.

Bildreferenzen: Los Angeles bei Nacht, Nikon Nikkor 50 mm 1.4 D (Objektiv), West Texas Lightening Storm