Modefotografie

Modefotografie - Fashionweek 2007 in New York

Derzeit laufen wieder so viele Model-Sendungen im TV, die meines Erachtens das wahre Bild eines Fotografen verzerren und die Arbeit oftmals so hinstellen, als finde jedes Shooting immer an coolen Orten statt und als sei alles innerhalb kürzester Zeit mit (tollen) Models erledigt. So wurde in den letzten Jahren der Job des Modefotografen immer bekannter und die Modefotografie rückte noch mehr in den Fokus der Medien.
Auf dieser Seite wollen wir jedoch einige Hintergrundinformationen dazu bieten, um den Anspruch, die Vielseitigkeit und die Geschichte des Modefotografie mehr in den Vordergrund zu rücken, gerecht zu werden. Seit einigen Jahren sieht man mittlerweise sogar in international bekannten Museen Modefotografien ausgestellt, da sie sich ein Stück weit als eigene Kunst und Stilrichtung entwickelt hat.

Die Geschichte der Modefotografie im 19. Jahrhundert

Nachdem die Fotografie in den Jahren um 1830 erst entwickelt worden ist und noch dazu erste Entwicklungsveruche nicht massentauglich gewesen sind, wird bereits um 1856 ein Buch mit 288 Fotografien von Adolphe Braun veröffentlicht. Darin finden sich die ersten Fotografien, die in Richtung Modefotografien gehen. Das erste Model in diesem Buch ist Virginial Oldoini, einer Comtesse am Hof Napoleon III, die darin Ihre einzelnen Gewänder präsentiert.

Bis 1892 tat sich in der Modefotografie nicht sehr viel, da nach wie vor die Reproduzierung der Fotografien schwer viel und nicht massentauglich gewesen war. In diesem Jahr jedoch wird die erste Modestrecke im La Mode Pratique, einer französischen Publikation gedruckt.

Die Modefotografie im 20. Jahrhundert

Vogue Cover von 1910Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts erscheinen erste Modefotografien im Magazin „Harper’s Bazaar“, ein Magazin der US-amerikanischen Hearst Corporation, welches bis heute in 18 Ländern monatlich erscheint. In Harper’s Bazaar werden Fotografen dazu eingeladen, Fashion-Fotostrecken zum Magazin beizusteuern. Das Magazin wurde bereits 1867 gegründet und seit Ende des 19. Jahrhunderts ist der bedeutendste Konkurrent des Magazins aufgrund einer sehr ähnlichen Zielgruppe, die Vogue des Condé Nast Verlages.
Zu dieser Zeit etablierten sich erste Fotostudios für Modefotografie in Europäischen Hauptstädten wie Berlin und Paris. Damals wurden die Motive durch den Einfluss des Baron Adolphe de Meyer (geboren 1868 in Paris, gestorben 1946 in Los Angeles) noch in natürlicher Umgebung und in natürlichen Posen aufgenommen. 1910 konzentrierte dieser sich auf die Modefotografie und nahm erste Modestrecken für die Vogue in Paris auf und war im Laufe seiner Karriere in England und den USA für Vanity Fair, Harper’s Bazaar und Vogue tätig. Bis dato waren die Modezeitschriften auf skizzierte Zeichnungen angewiesen. Ein besonders interessantes Buch über die Modezeichnungen in der Vogue wurde 1989 vom Thames & Hudson Verlag veröffentlicht: Fashion Drawing in „Vogue“.

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Beide Magazine erreichten, dass die  Modefotografie in 1920 und 1930 zu einer eigenen Kunstform wurden. Bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren Berlin und Paris noch die angesagtesten Modezentren. Während des Krieges verlagerten Modefotografen Ihr Schaffenszentrum in die USA und es etablierte sich das bis heute angesagteste Modezentrum New York.

Bedeutende Modefotografen, unter anderem Irving Penn, Richard Avedon, Martin Munkacsi und Louise Dahl-Wolfe prägten in den Folgejahren der 40er und 50er Jahre nach dem II. Weltkrieg die Modefotografie. In den 60er Jahren, ausgelöst durch einen Generationenwechsel der Models und Fotografen, wandelte sich die Modefotografie zu einem jüngeren und dynamischeren Stil. Weitere Fortschritte nahm die Modefotografie in den Jahren 1970 – 1980 vor allen Dingen durch die Fotografen Helmut Newton und Guy Bourdin, die beide für die Vogue arbeiteten. In diesen Jahren hielten auch Pornographie, Voyeurismus und Fetischismus Einzug. In den 80er Jahre gestalteten Fotografen wie z.B. Peter Lindbergh ihre Fotografien in ästhetischen Welten, da vermehrt Marketingabteilungen Einfluss auf die Modezeitschriften nahmen und damit einhergehend auch die klassiche Schwarz-Weiß Fotografie wieder etabliert wurde.

In den 1990er Jahren wurden die Fotografien wieder realistischer und Models wie Naomi Campbell oder Claudia Schiffer machten sich einen Namen. Daneben entwickelte sich eine Subkultur durch Fotografien wie Nick Knight, welche den „Heroine Look“ der Models forderte und förderte; eine weitere Subkultur war begründet in der Fotografie von z.B. David LaChapelle, der einen eher glamourösen Stil favorisierte. In den späten 90er Jahren wandelte sich die Modefotografie abermals, vermutlich durch freizügige Fotostrecken der Sisley-Kampagne.

Die Modefotografie nach 2000:

Model auf der Fashionshow New York 2007Seit der Jahrtausendwende findet ein weiterer Wandel in der Modefotografie statt. Die Fotografen haben wieder einen künstlerisch gehobeneren Anspruch durch die Etablierung mehrerer Modemagazine, die einen völlig anderen Anspruch an die Fotografie selbst stellen, als die bekannten drei, Vogue, Harper’s Bazaar oder Vanity Fair. Oftmals werden in unabhängigen Magazinen wie Sleek oder Qvest die Grenzen zwischen Modefotografie und Kunst aufgeweicht und eine neue, weniger kommerziell anmutende Richtung scheint sich hier aufzutun.

Da die Modefotografie einem ständigen Wandel unterzogen ist, ebenso wie die Entwicklung der Mode selbst, kann man davon ausgehen, dass sich immer wieder neue Motive, neue Richtungen auftun und immer wieder neue Fotografen ihren Weg in diesen Kreis der Modefotografen finden.

Weiterführende Links:

Bildreferenzen:New York Fashion Week Fall 2007„, „Manuel, Texas Style„, Vogue Cover aus der Cover Datenbank der Vogue