Martin Hülle

Fotograf Martin Hülle- Hardangervidda, Norwegen

Fotograf Martin HülleHeute freue ich mich euch einen Fotografen aus Wuppertal in Deutschland vorstellen zu können. Entdeckt habe ich Martin Hülle in der DigitalPHOTO in der ein Artikel über seine Grönland Expedition abgedruckt gewesen ist. Den Artikel findet ihr hier auf der Webseite von Martin Hülle. Begeistert von seinen Fotografien, wie von den Reisen, die Martin auf sich genommen hat, wandte ich mich Anfang Februar an Ihn, für unsere Webseite einige Fragen zu beantworten.
Zudem muß ich schon an dieser Stelle unbedingt sagen, dass sein Blog äußerst lesenswert und ansprechend geschrieben ist, sodass es mittlerweile zu einem meiner wenigen abonnierten Fotoblogs gehört. Vielen Dank von uns, Martin, dass Du Dir Zeit genommen hast und uns die Bilder zur Verfügung stellst!

Stelle Dich bitte kurz vor:

Martin Hülle, 1973 geborener Wuppertaler. Meine Brötchen verdiene ich mit Fotos und Texten. Ich laufe durch einsame Landschaften, was manche für extrem halten, und versuche darüber Geschichten zu erzählen.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

1988 habe ich mir von dem Geld, das ich zur Konfirmation geschenkt bekommen hatte, meine erste analoge SLR-Kamera gekauft. Durch meinen Vater war ich auf den Geschmack gekommen und er war auch mein erster Lehrer.

Fotograf Martin Hülle - Inlandeis in GrönlandDas Fotografenleben ist sicherlich nicht immer so einfach, wie man sich das als Hobbyfotograf vorstellt. Auf was muss man sich einstellen, wenn man Fotograf werden will?

Unabhängig jeglichen Genres sicherlich auf einen großen Konkurrenzkampf. Großes Durchhaltevermögen ist vonnöten. Ein leeres Bankkonto und die Ungewissheit, ob man auch im nächsten Monat ein Bild verkaufen wird oder einen Auftrag bekommt. Aber mit solchen Problemen muss sich wohl jeder Selbständige rumschlagen – egal in welchem Berufsfeld.

Was fasziniert Dich an der Fotografie besonders?

Als ich mit 17 Jahren anfing alleine größere Reisen zu unternehmen, war die Fotografie eine Möglichkeit, diese zu dokumentieren. Von da an ist die Reisefotografie ein ständiger Begleiter und eine Möglichkeit des persönlichen Ausdrucks und der Vermittlung der Erlebnisse. Mit einem einzelnen Bild eine Geschichte zu erzählen oder Emotionen zu wecken, fasziniert mich daran besonders.

Mit welchem Equipment arbeitest Du? (Kamera, Blitz, Studioequipment, Software?)

Von Anfang an mit Nikon Kameras. Viele Jahre analog – seit 2006 ausschließlich digital. Im Januar bin ich endlich zum Vollformat „aufgestiegen“ und nutze jetzt eine D700. Dazu Objektive mit Brennweiten von 16- bis 300-mm (überwiegend Zooms). Ein Blitzgerät selten – ich bevorzuge das Available Light – und Studioequipment gar nicht – schließlich bin ich „Outdoorfotograf“. Dazu Sachen wie ein Carbon-Stativ, Neutralgraufilter, Fernauslöser. Und in der digitalen Dunkelkammer einen „Apfel-PC“ mit Programmen von Nikon und Adobe.

Fotograf Martin Hülle - Nordsee, DeutschlandWann hast Du Deinen Blog gestartet und warum?

Meinen Blog habe ich im Juni 2009 gestartet. Neben meiner regulären Website ist es ein Ort der persönlicheren Kommunikation, des Gedankenaustausches und des Erzählens von Geschichten.

Wie hast Du Dir Dein Wissen angeeignet und was hat Dich weitergebracht?

Ich habe Fotografie nie im klassischen Sinn gelernt oder studiert. Ich bin – was den Beruf als Fotograf betrifft – Quereinsteiger. Nachdem mein Vater mir die ersten Grundzüge der Fotografie und der Technik beigebracht hatte, war es ein steter Entwicklungsprozess, der noch immer anhält. Neben der Lektüre von Fachartikeln und -büchern, war es vor allem das Fotografieren selbst, das mich weitergebracht hat. Es ist immer gut, sich Bilder anzusehen und zu versuchen, hinter die „Geheimnisse“ zu kommen. Und dann raus zu gehen und eigene Ideen umzusetzen.

Wer oder was inspiriert Dich?

Da gibt es verschiedene Dinge: die Natur, eigene Emotionen, Bücher, Fotos, Filme …

Was sind Deine Lieblingsmotive und warum?

Natur-, Reise- und Reportagefotos. Aber keine Tiere – dafür hätte ich keine Geduld. Ich laufe lieber rum und sehe, was sich ergibt. Landschaften im Nebel, Tristesse und Verfall. Outdoormotive, die das reale Leben dort draussen zeigen und die nicht den gestylten Kataloghochglanzbildern gleichkommen.

In Mauretanien beim Wüstenwandern

Oft ermöglicht die Fotografie einem Fotografen seiner Inspiration freien Lauf zu lassen. Was machst Du, wenn Du in einem Kreativitätsloch steckst?

Dann fotografiere ich nicht … Ich schleppe auch nicht ständig eine Kamera mit mir rum. Es gibt Tage, da gehe ich einfach in den Wald, um zu gehen. Und nicht, um zu fotografieren. Das macht den Kopf frei und bringt meistens neue Ideen.

Hast Du Lieblingsfotografen und wenn ja, welche?

Einer meiner Lieblingsfotografen ist der Isländer Ragnar Axelsson. Auch sein neuer Bildband “Die letzten Jäger der Arktis” ist ein fesselndes Werk. Es sind seine atmosphärischen Schwarz-Weiss-Bilder, die das Leben der Menschen im hohen Norden in einer Kraft und Eindringlichkeit zeigen, wie sie sonst selten zu sehen sind. In gleichem Maße finde ich die Arbeit des jungen deutschen Nachwuchsfotografen Andy Spyra beeindruckend, der ebenfalls in Schwarz und Weiss eine ganz eigene Sicht und Sprache in seinen Bildern verdichtet und Aussergewöhnliches damit schafft.

Wie wichtig ist Dir die nachträgliche Bildbearbeitung bei Deiner Arbeit?

Ich fotografiere grundsätzlich im RAW-Format und daher durchlaufen meine Bilder alle eine Bildnachbearbeitung. Dabei geht es aber nur um rudimentäre Anpassungen – große Veränderungen mache ich nicht. Mir geht es um „Natürlichkeit“ und nicht einen besonderen Bearbeitungsstil. Wenn ein unbearbeitetes Bild nicht wirkt, kann man es meist auch durch eine nachträgliche Bearbeitung nicht mehr retten. Es geht in erster Linie um den Inhalt, nicht die Verpackung.

Wie vermarktest Du Dich und Deine Arbeiten und was erreichst Du damit?

Am wichtigsten ist die Website, die ich daher im vergangenen Herbst einem kompletten Relaunch unterzogen habe, um mein Können optimaler zu präsentieren. Klinkenputzen gehört aber auch dazu: Immer wieder Vorschläge an Redaktionen schicken und hoffen, das eine Geschichte gefällt und gerade thematisch auch ins Magazin passt. Ich kann nicht darauf warten, dass jemand bei mir anruft und Fotos haben möchte – ich muss auch selber aktiv werden und mich und meine Arbeit ins Gespräch bringen.

Fotograf Martin Hülle- Hardangervidda, Norwegen

Welche fotografischen / beruflichen Ziele hast Du für die kommenden Jahre?

Im nächsten Jahr steht meine dritte Grönland Expedition an. Nach 2006 und 2008 möchte ich dann ein weiteres Mal das Inlandeis überqueren. Über diese „Trilogie“ würde ich dann gerne ein Buch veröffentlichen. Darüber hinaus möchte ich weitere Reisen in den Norden unternehmen. In verschiedene Länder und Regionen am Nordmeer und den Rand des Eises. Wasser, Eis und Schnee könnte das Motto sein – in Norwegen, Island, Grönland und Spitzbergen. Zudem ist es mir ein Anliegen, die Qualität meiner Arbeit und Fotos weiter zu verbessern.

Welchen Tipp würdest Du Einsteigern mit auf den Weg geben?

Suche Dir ein Thema, ein (kleines) Fotoprojekt, an dem Du über eine längere Zeit arbeiten kannst. Überlege Dir, wie Du es am Ende präsentieren könntest (z.B. in einem Fotobuch). Über die kontinuierliche Beschäftigung mit einem Projekt kannst Du dich am besten weiterentwickeln.

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