Roman Tripler – icepin.de

Fotografie von Roman Tripler, icepin.de

roman tripler ist icepin.deTwitter war bislang immer so ein notwendiges Übel, wenn es um die Pflege vom Social Media geht und man über diesen Kanal neben Facebook ein wenig Werbung für die eigene Webseite machen will. Ich kontrolliere aber dennoch meine Follower und beobachte, was so passiert. Und… selbstverständlich sehe ich mir meine Follower an, wer das ist, und ob ich Ihnen nicht auch besser folgen sollte – eben das passierte mir mit icepin, Roman Tripler.
Ich habe mir seine Webseite unter www.icepin.de sofort angesehen und war begeistert von seinem Blog und von seinen Fotografien. Neugierig geworden und nach einem kurzen Austausch über Vivian Maier, entschloss ich mich, Ihn um ein Interview zu bitten – so ein nettes Interview hatte ich bisher noch nicht erhalten – vielen Dank dafür Roman!

Hi Roman, wir würden uns freuen, wenn Du uns ein bisschen etwas über Dich erzählen könntest. Was mich ja auf Dich als Person mal abgesehen von Deinen Fotos neugierig gemacht hat, ist die Tatsache, dass wir sehr ähnlich Hobbies / Interessen und Vorlieben zu haben scheinen. Ich bin 32 war lange Zeit Art Director bei verschiedenen Agenturen in München, fahr gerne mit meinem Longboard im Sommer, im Winter ziehts mich mit Snowboad und Skiern auf die Piste, ich mag Whiskey sehr gerne, liebe Musik und Hörbücher während der Arbeit aber auch sonst nur mit Judo kann ich nicht mithalten. Auf alle Fälle kann man schon von Deiner Beschreibung in Deinem Blog schon einiges entnehmen, aber gibt es etwas, das wir auf diesem Weg über Dich noch erfahren können?

Da ich mir wirklich Mühe gebe, auf meinem Blog alles sehr persönlich zu beschreiben, steht dort wirklich schon viel über mich. Was Details betrifft, die darüber hinausgehen, findet man sicherlich was bei Google – zum Beispiel Teile meiner Karriere im Judo, aber darüber hinaus bin ich nicht der Typ, der seine ganze Wohnung oder die neuesten Errungenschaften wie Schuhe oder so etwas ins Netz stellt.

Ich führe sehr gern Gespräche, mag Austausch und bin offen für Vieles und Neues. In letzter Zeit interessiert mich das Verständnis der Welt etwas mehr als meine geliebten Geschichten oder die Dinge, die einem das Leben verschönern. Ich höre zum Beispiel gerne Deutschland Funk oder auf dem Weg zur Arbeit auch gerne mal klassische Literatur. Spießig, nicht wahr? Leichte Kost geb ich mir auch gern und ausreichend.

Fotografie von Roman Tripler - new cologne - icepin.deWie bist Du zur Fotografie gekommen und gibt es einen Grund, warum Du fotografierst?

Fotografiert hab ich mein Leben lang schon, aber nie mit einem ernsthaften Gedanken daran. Als Kind die RitschRatsch oder Polaroid, später Kleinbildkameras für Urlaube oder Feste und irgendwann mal ne kompakte Digitale. Experimentiert hab ich immer schon etwas, aber wie gesagt – alles ohne ernsthafte Gedanken daran. Den ersten Impuls habe ich bekommen, als ich vor 5 Jahren in meiner Firma ein Art Event fotografisch begleiten sollte. Da durfte ich den ganzen Tag die Vernissage in unseren Räumen und auf der Art Cologne dokumentieren. Das mache ich seither jedes Jahr. Als vor zwei Jahren der Galerist Thomas Zander mich spontan bei einem Vortrag als guten Fotografen bezeichnet hat, war ich baff, denn ich habe das völlig anders gesehen und das war die entscheidende Motivation über meine Bilder und Fotografie generell nachzudenken. Ein weiterer Aspekt, den ich schon sehr lange mit mir rumschleppe, ist, dass ich in meinem Job viele Shootings betreut, selber Retuschen und Composings gemacht habe und diese Arbeit als unehrlich der Fotografie gegenüber sehe. Es ist ein erlaubtes und gebräuchliches Mittel der Branche und kann durchaus sehr toll und schön sein, aber ich habe mich immer dagegen gewehrt, solche Arbeiten auch privat zu erstellen. Da war für mich klar, dass ich mir eine eigene Kamera besorgen möchte und eigene Bilder machen will. Letztendlich war meine Frau auch der Grund, warum ich die Hemmschwelle überwunden habe und ins Geschäft gerannt bin. Sie hat früher analog fotografiert und ich fand toll, dass sie mir die ersten Schritte beibringen konnte.

Würdest Du gerne Dein „tägliches Brot“ mit der Fotografie verdienen?

Ich möchte auf gar keinen Fall diese professionellen Shootings für Magazine, Werbung oder Modeaufnahmen machen. Das interessiert mich nicht. William Klein hat einmal beschrieben, dass er die besten Bilder gemacht hat, wenn sie trotz angesetzten Shootings spontan waren, wenn die zu portraitierenden sich nicht für das Foto positioniert haben, sondern die Momente genau dazwischen. Wenn mich Freunde fragen, ob ich ihnen Bilder machen kann, tu ich mich damit schon schwer, aber für Freunde mache ich es ihretwegen dennoch gern. Ausserdem habe ich einen guten Job in einer Werbeagentur in Köln, und verdiene dort mit sehr abwechslungsreicher Arbeit wie Filme machen, Bildbearbeitung oder Kampagnenentwicklungen mein Geld, auch wenn der Job sehr viel Zeit beansprucht und phasenweise ein starkes Nervenkostüm bei mir und meiner Familie benötigt.

Fotografie von Roman Tripler - luke - icepin.deIch würde schon gerne durch Fotografie mein Geld verdienen, aber wenn ich realistisch darüber nachdenke, kann das nicht so einfach gehen. Mir fehlt zum Beispiel eine entsprechende Ausbildung und auch fotografisch bin ich Autodidakt. Andere lernen jahrelang, studieren und haben es dennoch schwer, ihre Brötchen mit Fotografie zu verdienen. Als dokumentierender Fotograf die Welt zu bereisen, den Menschen Dinge zeigen, die gesehen gehören, das wäre schon ein Traum. Aber sind wir mal ehrlich, den Status zu erlangen, dass Menschen auf mich zugehen, mirGeld bieten für Arbeit, die ich mache, wie ich sie möchte, ist noch schwer vorstellbar, oder? Im nächsten Leben ;), aber wer weiss schon, wie sich die Dinge entwickeln…

Mit welcher Ausrüstung bist Du unterwegs, wenn es Dich auf die Straße zieht?

Ich habe eine Nikon D60 mit viel Zubehör. Nach und nach habe ich festgestellt, dass ich das ganze Zubehör nicht brauche und auch nicht mehr haben will. Es stört mich, es schränkt mich ein. Wenn ich jetzt losziehe, habe ich eine kleine Tasche mit meiner D60, auf der ich mittlerweile wieder das Kit-Objektiv habe, weil ich 35-50mm im Vergleich zu Kleinbild abdecken will, hab noch das 50mm ƒ1.4 Nikkor für Portraits und schlechte Lichtverhältnisse und Kleinigkeiten wie Pinsel, Notizbuch oder Visitenkarten im Gepäck. Mehr nicht. Ich habe keine bessere Linse gekauft, weil der Systemwechsel zu einer Leica M durch weitere Ausgaben noch weiter hinausgezögert würde.

Fotografie von Roman Tripler - Jack Skellington - icepin.deWie wichtig ist Dir die Bildbearbeitung in Deiner Fotografie?

Eigentlich ist mir die Bearbeitung gar nicht recht. Ich wäre froh, wenn ich an den Bildern nichts machen müsste. Aber ich nutze ein paar wenige Techniken, die die Qualität meiner Bilder verbessern, da die D60 nicht der qualitative Platzhirsch unter den Kameras ist. Ich arbeite gern mit klassischen Werkzeugen wie z.B. dem Abwedler, um ein wenig die Stimmung zu betonen – das gibt mir ein „analoges“ Gefühl. Ich bin gar kein Freund von argen Eingriffen, auch wenn ich zu Beginn meiner fotografischen Zeit viel experimentiert habe. Ich komme mit wenigen Werkzeugen aus und meine Grundbearbeitung bei einem Bild dauert wenige Minuten.

Was mich interessiert ist: Fotografierst Du Deine Schwarz-Weiß Aufnahmen gleich in Schwarz Weiß oder wandelst Du Farbaufnahmen erst später um?

Ich überlasse meiner Kamera nicht die Interpretation meines Bildes. Sie kann es nicht gut und da ich im RAW-Format fotografiere geht das ohnehin nicht. Ich fotografiere RAW, weil ich durch die Entscheidung digital zu Fotografieren eh schon weniger Tonwerte habe als auf Film und da verschenk ich doch nicht noch den letzten Rest, indem ich JPGs aufnehme. Ich liebe die Entwicklung der Datei, vergleiche es etwas mit der analogen Entwicklung, weil man nie vorhersehen kann, wieviel Potential in einem Bild steckt.

Fotografie von Roman Tripler - seventyone - icepin.deWas mir besonders gut gefällt ist bei den Farbfotografien die Fotografie mit dem Titel „seventyone“, kannst Du etwas zu der Entstehung des Bildes sagen?

Hehe, klar. Das ist mein alter Herr an seinem 70sten Geburtstag. Meine Eltern sind vor Jahren nach Österreich ausgewandert und wir sehen sie natürlich nicht mehr so oft. Zu der Zeit, als das Bild entstand, waren wir dort einige Zeit im Sommer zu besuch. Der Mann ist ein Freak mit sehr vielen verrückten Leidenschaften. Er reitet gern, war in jungen Jahren beim Zirkus Krone, war Gutsverwalter auf einem Gestüt und hat dieses Hobby selbst als Vollstreckungsbeamter im öffentlichen Dienst nie abgelegt. Cowboyhut und das ganze Drumherum sind Markenzeichen von ihm – man merkt, dass er mit Eroll Flynn und John Wayne aufgewachsen ist. Zu seinem Geburtstag hat ihm ein Dorfbewohner, dessen Pferde mein Vater auf Trab hält, eine Puppe gebastelt, die wie eine Kopie meines Vater aussah. Echt ein tolles Geschenk. Ich habe die „beiden“ gleich portraitiert und meinem Vater zum Einundsiebzigsten einen aufwändig gerahmten Abzug davon geschenkt. Ihn so gerührt zu sehen habe ich in meinen 34 Jahren so gut wie nie erlebt und das ist das Beste an diesem Bild.

Fotografie von Roman Tripler - amused - icepin.deBei Deinen Schwarz-Weiß Fotografien fällt auf, dass Du sehr auf die Menschen achtest. Viele der Straßenfotografien sehen so aus, als würden die Menschen es nicht bemerken, dass Du sie fotografiert hast? Wie gehst Du auf die Menschen zu und wie reagieren viele darauf, wenn Du sie fotografierst?

Da ich ja generell bunt fotografiere, ist es kein besonderes Markenzeichen der Schwarz-Weißen Bilder. Ich beobachte Menschen, schaue, was sie tun, wie die Konstellation zur Umgebung ist und gleiche es unbewusst mit meinen Erfahrungen ab. Ich springe nicht wie Mark Cohen oder Bruce Gilden vor die Leute, sondern schlender eher um sie herum, damit ich die Situation nicht verändere und beeinflusse, aber genügend Zeit hab, mich vorzubereiten. Viele Bilder entstehen auch mit Menschen, die ich kenne und die sich daran gewöhnt haben, dass die Kamera mein ständiger Begleiter ist. Wenn ich jemanden so „erwischt“ habe, wie ich es wollte, suche ich den Kontakt, was über Blicke und über direktes Ansprechen geschieht. Meist ist es aber umgekehrt und man geht auf mich zu. Ein Lächeln, ein erhobener Daumen oder ein paar Worte führen dann meist zur zustimmenden Haltung und wenn jemand ratzig wird, lösch ich das Bild eben. Ich drück auch gerne mal eine Visitenkarte in die Hand, damit die Leute sehen, dass ich kein Spinner bin, der mit den Fotos irgendwelchen Quatsch im Netz macht.

Fotografie von Roman Tripler - gang reload - icepin.deAuffallend ist, dass Du scheinbar ein sehr gutes Gefühl für Licht und Schatten in Deiner Fotografie hast. Achtest Du darauf oder kommt das einfach so?

Ist das so? Danke! Es gibt Situationen, in denen das Licht einfach überwältigend ist und einen emotional begleitet. Wenn ich in solch einer Situation die Kamera zur Hand habe, mache ich natürlich Bilder. Ich liebe Availible Light und mag keinen Blitz. Deshalb muss ich nehmen was da ist und so bekommt man sicher ein besseres Gespür für das Licht.

Welchen Tipp kannst Du Anfängern geben, wie sie Ihre Fotografie verbessern können?

Als Bildbearbeiter könnte ich tausende Tipps geben, als Fotograf lerne ich ja selber noch fleissig.
Viel lesen, Ausstellungen besuchen und sich mit Gleichgesinnten austauschen hat mir am meisten geholfen. Man sollte frei heraus fotografieren, was man mag und seine Bilder zeigen, darüber sprechen und sich Kritik zu Herzen nehmen. Der Rest kommt mit der Zeit.

Hast Du Deine Fotos schon mal ausgestellt?

Nein, ich denke auch, dass ich noch nicht soweit bin, eine gehaltvolle Auswahl präsentieren zu können. Ich sehe engere Verbundenheit zu speziellen Thematiken als möglichen Einstieg in die Welt der Ausstellungen und meine jetzigen Fotografien noch als Übungen und erste Ansätze. In so kurzer Zeit, keine zwei Jahre fotografiere ich, kann eine Sammlung nicht stark genug für eine Ausstellung sein. Ich habe hochgesteckte Ansprüche, die vielleicht mal hier und dort ein Bild erfüllt, aber meine Werken sind insgesamt noch nicht erwachsen. Ich möchte mir sicher sein, wenn ich ausstelle und keinehalben Sachen machen

Gibt es sonst noch etwas, worauf Du hinweisen willst (abgesehen von Deinem Blog?)

Ich möchte mich bedanken, dass du mir die Gelegenheit bietest, ein paar Worte zu formulieren. Es ehrt mich nach Avedon oder Penn in der Liste vorgestellter Fotografen zu stehen. Crazy…

Ich muss mich bei Dir bedanken Roman, dass Du Dir die Zeit genommen hast! Ich würde mir wünschen, dass mehr Fotografen so auf Interviews reagieren würden wie Du. Ich freue mich, Dich kennengelernt zu haben und ich hoffe ehrlich, auch in Zukunft noch viel von Dir zu sehen!

Weiterführende Links:

www.icepin.de

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