Hintergrund bei Objektaufnahmen direkt bei der Aufnahme freistellen

Beispiel für ein Foto mit durch abblenden abgedunkeltem Hintergrund
Muster

Lange habe ich nach einem passenden Titel für diesen Beitrag gesucht. Außerdem hätte man Ihn ebenso in die Portraitfotografie verschieben können.

Worum geht es bei diesem Tutorial?

Beispiel für ein Foto mit durch abblenden abgedunkeltem HintergrundWas ich erreichen wollte ist, herauszufinden, wie manche Hobby-Fotografen in manchem deutschem Forum Objekte, wie z.B. helle Blüten fotografieren, sodass der Hintergrund anschließend nahezu wie freigestellt wirkt und dunkel ist. Ein ganz typisches Beispiel seht Ihr hier auf der Seite.
Ich will jetzt an dieser Stelle nicht genauer darauf eingehen, wer es gewesen ist und auf welchem Forum ich ähnliche Fotos gesehen habe. Mich ärgert lediglich ganz oft an deutschen Webseiten, dass zwar einige Tipps gegeben werden, allerdings nicht das Entscheidende erwähnt wird und sich gerne anschließend profiliert und gefachsimpelt wird. Generell sind amerikanische Webseiten in diesem Punkt einfach besser. Die Fotografen dort geizen irgendwie weniger mit den wichtigen Informationen.

Nun, ich sag es ganz ehrlich, ich habe viel getestet und mir immer wieder gedacht, dass ich es doch hinbekommen müsste und so weit entfernt von der Sache war ich gar nicht. Der entscheidende Tipp kam dann von dem netten Münchner Fotografen Kai Schlender, mit dem ich vor einiger Zeit schon ein Interview geführt habe.

Zum Versuchsaufbau und die erste Testreihe

Was ich herausgefunden habe: Ihr werdet es nicht ohne Weiteres gleich auf Anhieb hinbekommen und vor allen Dingen sind die Einstellungen, die ich getroffen habe, nicht allgemeingültig. Dies bedeutet, dass bei Euch die Einstellungen völlig anders sein können. Die entscheidende Sache, ohne die es gar nicht klappt, werde ich Euch aber im Laufe des Tutorials noch erklären.
Ein wenig Nachbearbeitung wird Euch aber nicht erspart bleiben, denn so ganz einfach bekommt man es ohne gleichmäßig „dunklem“ Hintergrund nicht hin.

Hilfsmittel und Utensilien

  • Helles Objekt (wie z.B. eine Calla-Blüte)
  • Dunkler Hintergrund (stimmt so nicht ganz aber mehr dazu später)
  • eine Lichtquelle (wie z.B. einen Nikon SB 900 Blitz oder eine Tageslichtlampe)

 

Versuchsaufbau

Ich habe meinen Dunny, der hier schon öfter herhalten musste, auf eine dunkle Box gestellt, damit das Fotografieren nicht ganz so schwer fällt. Das zu fotografierende Objekt stand in diesem Fall nicht weit von der Linse entfernt (etwa 20 – 30 cm), da ich mein Nikon AF-S Micro Nikkor 60mm/2.8G ED Objektiv auf meinem D700 Body hatte. Als Lichtquelle dient mir in diesem Fall mein Nikon Speedlight SB-900 Blitzgerät Der Einsatz einer Tageslichtlampe oder aber direktes Sonnenlicht für einen Test draußen in der Natur, wäre ebenso in Ordnung gewesen.
Da es abends gewesen ist und das Zimmer schon ein wenig dunkel, habe ich keinen extra dunkleren Hintergrund mehr benötigt). Solltet Ihr gerade unterwegs sein, so reicht auch eine helle Blüte über dunklem Gras. Wichtig an der Sache ist, dass Euer Objekt genügend Kontrast zum Hintergrund aufweist und dieser nicht zu nahe dran ist.

Achtet bei der Position der Lichtquelle darauf, dass diese nicht den Hintergrund zu stark mit beleuchtet, sonst geht ein Teil des Effekts wieder verloren.

Meine Einstellungen am Nikon SB-900

Betrieb im manuellen Modus. Auslösegeschwindigkeit lag bei 1/125, Weitwinkel war auf 17 mm gestellt (obwohl ich mit der 60 mm Linse zu Gange war), die eingestellte Blendenöffnung lag bei ƒ 1.4, damit der Blitz noch weniger hell war.

Die Testreihe

Ich habe meine Belichtungsmessung der D700 immer auf  den hellsten Punkt ausgelegt und davon ausgehend die manuelle Einstellung der Kamera gewählt. Im manuellen Kameramodus hatte ich als Blende die ƒ 3.2 eingestellt, ISO lag bei 200. Verändert wurde in dieser Reihe lediglich die Belichtungszeit und hier werdet Ihr eine erstaunliche Sache feststellen.

Wie Ihr feststellen könnt, ändert sich hier zwischen Verschlusszeiten von 1:325 und 1:400 plötzlich die Helligkeit des Hintergrundes extrem. Was ich hier aber noch falsch gemacht habe, ist die Wahl des Hintergrundes. Ich habe ganz einfach in den Raum hineinfotografiert und nicht darauf geachtet, ob ich mit dem Blitz nicht noch einige reflektierende Flächen erhelle oder nicht. Trotzdem reicht mir die Aufnahme mit 1:400, um den Dunny dementsprechend vom Hintergrund „freizustellen“ und den Hintergrund noch weiter abzudunkeln.

In besagtem Forum wurde ebenfalls erwähnt, die Blende einfach um 2 Stufen zu verkleinern. Dies hätte aber in meinen Augen zum Resultat, dass die Schärfentiefe meines Objektes nicht mehr dem entspricht, was ich erreichen will und damit für einen ziemlich schlechten Tipp halte. Außerdem nehmt Ihr dem Bild das notwendige Bokeh, um den Hintergrund möglichst „weich“ abzudunkeln. Aber wie gesagt, hier sind deutsche Hobby-Fotografen scheinbar sehr eigennützig und erwähnen den wichtigsten Tipp nicht. Schade eigentlich, da gerade in diesem Fall ein Anfänger einen Hinweis haben wollte, wie er solche Fotos selbst machen kann.

Was also zu beachten ist

Wählt einen Hintergrund der dunkler ist und genügend Kontrast aufweist. Das Wichtige hierbei ist der Kontrast zwischen Objekt und Hintergrund – hier noch mal mein Dank an Kai, denn dieser entscheidende Tipp kam von Ihm. Beleuchtet, wenn Ihr mit einem Makro-Objektiv fotografiert, entweder mit einer gleichmäßigen Lichtquelle (z.B. einer Tageslicht-Lampe) oder einem Ringblitz. Wenn Ihr mit einem Teleobjektiv fotografiert, könnt Ihr auch mit einem Aufsteckblitz fotografieren. So sollte auch die Ausleuchtung besser werden, als bei mir.

Ergebnis des Tutorials zum Abgedunkeltem Hintergrund beim FotografierenWenn Ihr Fragen dazu habt, stellt Sie bitte. Gerne teile ich hier meine persönliche Erfahrung mit Euch. Ich werde aber mit Sicherheit hier noch weiter experimentieren und demnächst ein Update schreiben. Viel Spaß erst mal beim Ausprobieren!
Das fertig bearbeitete Foto könnte dann so bei Euch aussehen, wie meine Abbildung hier links.

Bildreferenz: Calla-Foto auf stock.xchng, Rest der Bilder von mir

6 Comments

  • Oliver Teske sagt:

    Hallo Ben,

    ja, ja, mit deiner Behauptung

    Aber wie gesagt, hier sind deutsche Hobby-Fotografen scheinbar sehr eigennützig und erwähnen den wichtigsten Tipp nicht. Schade eigentlich, da gerade in diesem Fall ein Anfänger einen Hinweis haben wollte, wie er solche Fotos selbst machen kann.

    hast Du sicher nicht ganz unrecht, dass ist mir auch schon aufgefallen, im Internet bekommt man so gut wie keine wirklichen Tips. Daher erfreut mich dieser Blog um so mehr, ich arbeite ihn gerade durch ;-))
    Deine Arbeit und deine Einstallung zu dem Thema ist bestimmt nicht umsonst oder falsch! Danke für die vielen Infos, evtl. kann ich ich Dir auch mal eine Gefallen tun.

    Gruß
    Oli

    • Ben Moll sagt:

      Vielen Dank, Oliver für Deinen Beitrag. Freut mich, wenn ich mit meiner Meinung nicht ganz alleine auf weiter Flur stehe :) und es freut mich besonders, wenn Dir mein Blog / meine Webseite zum Thema Fotografie gefällt – wie gesagt, ich bin kein Profi und berichte eigentlich nur von dem, was ich mir selbst beibringen konnte und was ich so durch klassisches „learning by doing“ mitbekommen habe.

      Beste Grüße,
      Ben

  • Jens sagt:

    Hi Ben,

    danke für den Tipp gefällt mir sehr gut und werde ich bei gelegenheit mal ausprobieren. und du hast in jedem fall recht die deutsche blog und forenscene ist da in manchen punkten sehr sehr „zugeknöpft“. von daher finde ich es um so besser wenn jemand mal wirklich klartext redet und sagt wie es ist.

    dein blog ist auf jeden fall schonmal in meine favoriten gelangt ;)

    liebe grüße
    jens

    • Ben Moll sagt:

      Hi Jens,
      vielen vielen Dank für Dein Lob! Ich freu mich sehr darüber und es freut mich, wenn mein Blog hier schon in Deine Favoritenliste gelangt ist :)

      Beste Grüße,
      Ben

  • Janina sagt:

    Hey,

    seit Tagen recherchiere ich (blutige Anfängerin) im Internet zu diesem Thema und habe bis jetzt keine funktionierenden Tipps gefunden. Einmal deinen Beitrag gelesen und ein bisschen rumprobiert, schon ist ein akzeptables Ergebnis rausgekommen.
    Tolle Seite, ich werd hier jetzt öfter vorbeischauen :-)

    Viele Grüße
    Janina

  • Dominik sagt:

    Tolles Tutorial!
    Das werde ich bald mach ausprobieren.
    Vielen Dank
    Dominik

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