Fotografie mit Ringblitzen

Fotografieren mit Ringblitz

Da mir bislang ein Ringblitz einfach zu teuer gewesen ist, um mir einen zu kaufen, habe ich mir diese Woche aus zwei Salatschüsseln aus Plastik, einer leeren Ananas-Dose  etwas Gaffer Tape  („Duct Tape“ oder im Original „Duck Tape“ genannt), Chrome Spray plus einer Grundierung, einem Teppich-Messer, Heißkleber, einem 2 mm starken milchig-transparentem PP Material einen DIY Ringblitz gebaut.

Fotografieren mit RingblitzDer Ringblitz hat außen einen Durchmesser von ca. 36 cm und innen von ca. 16 cm. Beleuchtet wird das alles durch meinen externen Nikon SB900 Blitz, der wahlweise entweder von unten oder von oben in den reflektierenden Ring der mit Chrom ausgespritzten Salatschüssel blitzt und damit wunderbare Ergebnisse liefert.
Wie gut die Ausleuchtung des Ringblitzes ist, könnt Ihr selbst an dem Foto links sehen. Ich finde das Ergebnis für Materialkosten von knapp 40 Euro ganz akzeptabel. Immer noch günstiger als professionelle Lösungen für meinen Zweck und für mich, der gerade in das Blitzen „hineinschnuppert“, ein beeindruckendes Ergebnis.

Mein Tele bekomme ich nicht ganz durch den Blitz durch, was aber auch an der Bauweise des Objektivs liegt. Mein 60er Makro ist hingegen gar kein Problem. Mit diesem sind auch die Bilder hier im Beitrag entstanden.

Wofür werden Ringblitze verwendet?

Ringblitze finden Ihren Einsatz sowohl in der Model-Fotografie, in der Produktfotografie allerdings auch in der Makrofotografie in modifizierter, kleinerer Ausführung. Das gute an der Verwendung eines Ringblitzes ist die schattenfreie Ausleuchtung des Motivs und das diffuse Licht, das der Ringblitz verursacht. Das Objektiv wird hier durch das Loch in der Mitte des Ringblitzes gesteckt, wodurch das Motiv auch keinen Schatten durch das Objektiv erhält. (Am Liebsten würde ich nur noch mit Ringblitz fotografieren!).
Alternativ zu der Ausführung als Blitz gibt es auch noch Ring-Dauerleuchten, die eher in der Makrofotografie verwendet werden, da sie kleiner sind und konstantes Licht bei gleichmäßiger Ausleuchtung liefern. In der Studio-Fotografie werden auch Ring-Leuchten eingesetzt, die dann aber deutlich größer sind.

Beispiele für den Einsatz von Ringblitzen

Ich habe Euch hier einen vorher / nachher Vergleich gemacht für ein Portrait, sowie ein paar Beispiele für die schattenfreie Ausleuchtung von Objekten.

Reflexion des Ringblitzes in Augen und weiche AusleuchtungHier ein Foto (links) von meinem Kater Clyde, in dem man sehr gut die ringförmige Reflexion des Blitzes in den Augen sehen kann. Außerdem ist der Clyde sauber gleichmäßig ausgeleuchtet und kein Schatten zu sehen.

Portraitfotografie ohne RingblitzAls weiteres Beispiel habe ich Euch hier ein Portrait gemacht, das draußen im Garten und im Schatten fotografiert wurde. Hier gibt es auch einen vorher / nachher Vergleich, bei dem Ihr den Unterschied zwischen Systemblitz ohne Ringblitz (rechts) seht im Vergleich zum Ringblitz (links). Portrait tagsüber mit RingblitzAuch hier haben wir wieder den gleichen Effekt: Schöne, gleich mäßige Ausleuchtung, weiches Blitzlicht und der Ringblitz ist im Auge sichtbar.

Gerade in der Portraitfotografie ist, wie Ihr erkennt, der Einsatz eines Ringblitzes absolut von Vorteil. Starke Kontraste verschwinden aus dem Gesicht (Nase, Mund, Kinn und z.B. Wangen), die Haut wirkt wesentlich weicher. Nun ein weiteres Beispiel für Euch mit einer beleuchtungstechnisch etwas schwierigeren Situation: Blitzen mit dem Ringblitz bei Nacht oder Dunkelheit.

Portrait mit Schal - fotografiert mit RingblitzPortraitfotografie ohne Ringblitz Als weiteres Beispiel noch mal ein Portrait, diesmal bei Nacht fotografiert. Auch hier seht Ihr wieder die selben Vorteile. Besonders gut erkennen kann man auch hier den Einsatz des Ringblitzes an dem Schal, in dessen Fall die Schatten fast vollständig weg sind.
Durch den Ringblitz wirkt auch hier das Gesicht wieder wesentlich weicher. Eine weitere Eigenschaft des Ringblitzes erkennt Ihr hier noch am Hintergrund. Der Ringblitz streut zwar das Licht, allerdings auf relativ engem Raum. Der Hintergrund wird hier fast automatisch ein bis zwei Blenden dunkler, die Person ist hier mehr freigestellt. Haut und Gesichtskonturen wirken auch hier wieder gleich mäßiger.

Fazit

Der Ringblitz ist derzeit mein absoluter Lieblings-Blitz im Einsatz. Es macht sehr viel Spaß und die Ergebnisse werden nahezu automatisch wesentlich besser. Wenn Ihr viele Portraits fotografiert, aber auch Produkte, empfehle ich jedem, sich einen Ringblitz zuzulegen, oder sich einen selbst zu bauen.
Ich werde in einem weiteren Beitrag noch auf den Bau eines DIY Ringblitzes eingehen. Hierzu müsst Ihr nur etwas Zeit, Geduld und handwerkliches Geschick mitbringen. Das Ergebnis wird Euch sicher überraschen.

4 Comments

  • Klimmpics sagt:

    Sehr guter und anschaulicher Artikel. Danke für den vorher / nachher Vergleich. Da kriegt man gleich Lust auch mal einen Ringblitz auszuprobieren.

    Ich bin schon sehr auf den „Bauleitfaden“ gespannt.

    Schöne Grüße

    Klimmpics

    • Ben Moll sagt:

      Die Bauanleitung wird es in wenigen Tagen hier geben.
      Ich habe in der Zwischenzeit eine etwas alltagstauglichere Version gebaut in einem zweiten Anlauf aus Metall…
      Sieht noch dazu besser aus, aber das Prinzip ist das Selbe, denn die Bauweise ist genau gleich (bisher) mit der aus den Plastik-Salatschüsseln.

      Nach dem Wochenende gibts ein Update. Ich hoffe, dass ich bis dahin einen Artikel fertig bekomme.

      Beste Grüße

  • SteBu sagt:

    Also über ein baldiges Erscheinen der Bauanleitung würde ich mich sehr freuen… :)

    • Ben Moll sagt:

      Hallo Stefan,
      ich habe an den letzten beiden Tagen einen weiteren Ringblitz, dieses mal aus Metall, gebaut (das Prinzip ist das Gleiche). Hierfür werde ich nach dem Wochenende garantiert eine detaillierter Bauanleitung mit Fotos ins Netz stellen. Dauert vielleicht noch bis Ende nächster Woche, denn leider komme ich am Wochenende wegen einem Hochzeitsshooting nicht dazu.

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