Portraitfotografie in der Praxis

Titelbild zur Portraitfotografie

Die Portraitfotografie zählt wohl zu dem klassischsten Feld der Fotografie, denn mit die ersten Motive die fotografiert wurden, waren Menschen. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich daraus eine eigene Fotografie-Richtung, auf die ich heute genauer eingehen will.
Bereits vor einigen Wochen habe ich einen Artikel mit 5 Tipps für interessantere Portraitfotos veröffentlicht, heute beschäftigen wir uns eher mit den theoretischen Grundlagen der Portraitfotografie.

Geschichte der Portraitfotografie

Ich will Euch hier nicht alle geschichtlichen Details der Portraitfotografie wiedergeben. Ihr findet hierzu und zu anderen weiterführenden Themen weitere Links auf unserer Webseite weiter unten. Hier nur ein paar der Meilensteine in der Portraitfotografie.

Unter der Portraitfotografie versteht man generell nicht nur die Fotografie von Menschen, sondern aller Art von Lebewesen, also auch von Tieren. Als ein Beginn der Portraitfotografie, wenn auch zu kriminalistischen Zwecken, stellt das Fahndungsbuch mit Fotos von Heimatlosen des schweizer Fotografen Carl Durheim, der 1852 – 1853 die ersten Portraitfotos erstellte, dar.
Die erste kommerzielle Anwendung der Potraitfotografie vermutet man ein Jahr später, 1854, wo professionelle Fotostudios die ersten Portraitfotografien verkauften und von Kunden anfertigten. Allerdings fertigte der Fotograf John William Draper bereits 1840 die weltweit erste und bekannte Portraitfotografie seiner Schwester an. Ab 1854 wurden nach und nach die Portraitmaler so vom Markt verdrängt, selbst wenn aufgrund der damals schwierigen Aufnahmetechniken und Belichtungszeiten von mehreren Sekunden und Minuten der Fotografen extrem erschwerten.

Zu den bekannten Portraitfotografen zählen Richard Avedon, Annie Leibovitz, Peter Lindbergh und Irving Penn, sowie zahlreiche andere Fotografen. Mehr könnt Ihr auch hier in unserem vorangegangenen Artikel zur Portraitfotografie erfahren.

Technische Grundlagen und Voraussetzungen für ein gelungenes Portrait

Titelbild zur PortraitfotografieIn der Regel empfehle ich, und damit bin ich nicht der Einzige, Brennweiten ab der 50 mm und aufwärts. Ich arbeite normalerweise mit einer Brennweite ab der 70 mm bis zu einer Brennweite von ca. 135 mm. Gut ist es, wenn Ihr hier ein besonders lichtstarkes Objektiv verwendet, da Ihr so viel besser mit der Tiefenunschärfe arbeiten könnt und meist ein wunderschönes Bokeh erhaltet. Eine kleine Erklärung, was das Bokeh ist, habe ich bereits in meinem Artikel auf meinem 50 mm, immerdrauf Objektiv erklärt. Wie man das Bokeh noch kreativer einsetzen kann, werde ich in einem speziellen Artikel noch genauer erläutern. Aber auch mit einem 50 mm Objektiv lassen sich tolle Ergebnisse erzielen, man sollte nur darauf achten, immer ausreichend Abstand zum Portraitierten einzuhalten. Dies fällt bei größeren Brennweiten deutlich leichter.
Wenn Ihr zu nah an das Gesicht herangeht, dann kann es passieren, dass die Nase im Vergleich zu den Ohren, überproportional groß abgebildet wird. Ein typisches Beispiel eines herkömmlichen Portraits findet Ihr auf der linken Seite.

Warum verwendet man eher größere Brennweiten in der Potraitfotografie?

Die Verwendung von Brennweiten ab der 70 mm resultiert daher, dass zum Einen der Abstand zwischen Fotograf und Person gewahrt bleibt, zum anderen aber auch daher, dass bei zu kleinen Brennweiten gerne eine tonnen- oder kissenförmige Verzerrung auftritt und zum Anderen auch der Hintergrund optisch zu nahe an das Motiv heranrückt.

Was ist sonst bei der Portraitfotografie zu beachten ist

Besonders vorteilhaft wirkt der Portraitierte auf den Betrachter, wenn Portraits auf Augenhöhe gemacht werden. Dies gilt vor allen Dingen bei der Fotografie von Kindern. Bei Erwachsenen kann man leichter mit der Betrachtungsperspektive „spielen“. Fotografiert ma von oben, so erreicht man eine eher gedrückte Bildwirkung, wechselt man die Perspektive und fotografiert von unten, so wirkt der Portraitierte eher „heroisch“.
Probiert es am besten selbst aus, welche Perspektive in welchem Zusammenhang für Euch am besten passt. Regeln sind dazu da um sie (gekonnt) zu brechen.

High Key Portraitfotos

High Key PortraitHigh Key Portraitaufnahmen sind eine Entwicklung aus der jüngeren Zeit. Hier arbeitet man als Fotograf bewusst mit hellem Hintergrund, wichtig sind hierbei weiches Licht und eine Belichtungskorrektur nach oben. Gerne werden besonders Models mit blonden Haaren für die High Key Portraitfotografie genommen. Diese unterstützen mit Ihren blonden Haaren um so mehr diese Fotografie-Technik.
Links seht Ihr eine typische, farbige High-Key Aufnahme, wie sie gerne auch in der Stock-Fotografie eingesetzt wird. Hier wirken die Hautpartien sehr hell, durch die Verwendung eines Ringblitzes entsteht ein sehr weiches Gesicht und die Konturen darin verschwinden leicht.
High Key AktfotografieSelbst mit einem DIY Ringblitz, wie hier aus meinem Tutorial, erreicht Ihr solche Effekte sehr einfach. Weitere Details zur Fotografie mit Ringblitzen findet Ihr hier auf unserer Seite.
Rechts seht Ihr eine andere Art des High Key Portraits. Auch in der Aktfotografie finden High Key Aufnahmen immer öfter Einzug, da sie im Kontrast zu der, bei der herkömmlichen Aktfotografie verwendeten, Low Key Aufnahme steht. Während bei Low Key Portraits wesentliche Bildteile oft durch Schatten oder Unterbelichtung „verdeckt“ sind, werden bei High Key Portraits Hautbereiche so hell wiedergegeben, sodass sie sich kaum (je nach Können des Fotografen) vom Hintergrund abheben.

Low Key Portraitaufnahmen

Bei Low Key Portraits wird genau entgegengesetzt zu den High Key Portraits gearbeitet. So werden im Studio aber auch gerne im Outdoor Portraitshooting, dunklere Hintergründe gewählt, sowie härtere Lichtquellen. Snoots (wie z.B. unser Snoot, den man sehr leicht aus dem Flashbender bauen kann) bewirken hier genau das Gegenteil von den Softboxen (Anleitung zum Bau einer kleinen DIY Softbox) oder Diffusoren (DIY Diffusor).
künstlerisches Low Key PortraitHier wird gezielt mit härteren Kontrasten gearbeitet, gerne verschwinden dabei auch Teile des Gesichtes im Schatten. Ein Beispiel für ein sehr gelungenes, wenn auch nicht gerade neutrales Portrait sehr Ihr hier auf der linken Seite. Klassische Schwarz Weiß PortraitaufnahmeEin eher klassisches Low Key Portrait, wie Ihr es vermutlich alle schon kennt, seht Ihr hier rechts.
Hier wird gezielt mit Licht und vor allen Dingen dem Schatten gespielt um diese typische Bildwirkung zu erreichen.
An dem rechten Foto könnt Ihr schon erkennen, welches Stilmittel gerne auch klassischerweise in der Aktfotografie gerne eingesetzt wurde und wird. Teilakt als Low Key realisiertEin Beispiel für einen Low Key Akt sehr Ihr wieder auf der linken Seite. Je klassischer die Fotografie, desto softer das Licht und die Übergänge zum Schatten.

Ich hoffe, Euch eine gute Einführung in die Portraifotografie gegeben zu haben und Euch gleichzeitig ein paar Anregungen für neue fotografische Ansätze gegeben zu haben.
Wenn Euch dieser oder ein anderer Artikel unserer Webseite gefällt, würde ich mich sehr über einen Backlink oder über ein Like von Euch über Facebook freuen.

Quellen: Mehr zur Portraitfotografie auf wikipedia.de,
Bildreferenzen: Titelfoto, High Key Portrait, High Key Teilakt, Low Key Portrait, Low Key Portrait klassisch, Low Key Teilakt

Kommentar verfassen