Tutorial: Tonemapping in der HDR-Fotografie

HDR Fotos sind nach einigen Jahren immer noch ein Stück weit ein Hype, den immer mehr Fotografen für sich entdecken. Viele verwerfen diese Methode wieder nach wenigen Versuchen, weil die Ergebnisse nicht passen. Ich denke, das Feld der Fotografen teilt sich grob in drei Lager. Die ersten hassen HDR, die zweiten lieben HDR, weil HDR viele Möglichkeiten bietet und die dritten sehen HDR als Ausdrucksform Ihrer eigenen Sicht der Dinge. Ich könnte mich jetzt so spontan in keine dieser Gruppen einordnen, denn ich gehöre weder zu denen, die es lieben, eher zu einer Gruppe von Fotografen die es manchmal anwenden, weil es sich anbietet und weil ich eine bestimmte Stimmung einfangen will, ansonsten spielt HDR für mich keine besondere Rolle – zumindest im Alltag.

HDR Fotografie hin oder her… was oft falsch gemacht wird ist das richtige Tonemapping bei HDR Fotos. Daher gibt es heute ein Beispiel für besseres Tonemapping für gelungene HDR Fotos.
Wenn Ihr wissen wollt, wie man die richtigen Ausgangsdaten für HDR-Fotos aufnimmt, dann möchte ich Euch an der Stelle zu zwei anderen Posts verweisen: HDR-Fotografie allgemein und Automatische Belichtungsreihen (mit der Nikon D700).

Die Beispiel-Dateien zum Download für dieses Tutorial:

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Verwendete Software: Adobe Photoshop Lightroom, Adobe Photoshop

Vorwort

Ich habe absichtlich die komplette Belichtungsreihe des Gebäudes im Download gelassen, auch wenn ich im Laufe des Tutorials einige Fotos aus verschiedenen Gründen aussortiert habe. Im Laufe des Tutorials zum Tonemapping erfahrt Ihr auch, warum ich dies gemacht habe.

1. Schritt: Auswahl der benötigten Fotos aus der Belichtungsreihe

Selbst wenn Ihr eine Belichtungsreihe von bis zu 9 Fotos gemacht habt, empfehle ich nicht unbedingt, alle Fotos für Euer HDR Foto zu verwenden. Dies kann verschiedene Gründe haben, die ich Euch genauer erklären will.

Beurteilung des Histogramms

HDR Fotografie LightroomIch sehe mir in der Regel, bevor ich auch nur irgendeine Bearbeitung der Fotos durchführe die Belichtungsreihe anhand des Histogramms durch. Zuerst versuche ich die dunkelste Aufnahme festzustellen, die ich brauche. Dafür suche ich mir den hellsten Punkt auf dem Foto raus (hier sind es eindeutig die Lampen an dem hinteren Fabrik-Gebäude links unten) und gehe anhand dieser Stelle die Fotos von der dunkelsten Unterbelichtung nach oben durch. Histogramm in Adobe Photoshop Lightroom beurteilenWenn Ihr im „Entwickeln Modus“ in Adobe Photoshop Lightroom seid, könnt Ihr Euch die hellste Stelle in den Fotos einblenden lassen, indem Ihr im Histogramm das „Dreieck“ im Histogrammfenster rechts oben aktiviert. Hier seht Ihr ziemlich genau, (durch die rote Markierung im Foto), ab wann eine Stelle im Foto überbelichtet ist. Dies könnt Ihr im Screenshot rechts sehr gut sehen: Die Mitte der Lampe ist im 5. Foto der gesamten Belichtungsreihe überbelichtet, d.h. die passende Unterbelichtung ist für mich das Foto eine Stufe weiter unten (das Foto mit dem Dateiende „d“ bei Euch in den Tutorialdaten).

Flagging in Adobe Photoshop LightroomDieses „flagge“ ich mir kurz, damit ich mir nicht merken muss, um welches es sich handelt (siehe Screenshot links). Dann gehts weiter mit der Auswahl des letzten notwendigen ¨überbelichteten“ Fotos.
Die Herangehensweise an die richtige Auswahl ist hier eine etwas andere. Zurück im Bearbeitungs-Modus von Lightroom, gehe ich die Überbelichtungen vom fünften Foto aus an durch. Die Beurteilung erfolgt hier zum einen ein bisschen basierend auf dem Histogramm, aber auch anhand der Intension, die ich mit der HDR-Aufnahme erreichen möchte.
Hier sollte man sich die Frage stellen, warum man aus einer Belichtungsreihe eigentlich eine HDR-Aufnahme machen will. In meinem Fall ist es die Absicht, die Strukturen der Gebäudemauer weiter herauszuheben und dennoch das Blau des Himmels zu erhalten. Also liegt nahe, dass ich mir jetzt im zweiten Schritt gezielt die Mauern des Gebäudes aber auch die dunklen Stellen in den Fenstern und an den Türen ansehe.
Ich wähle für diese HDR-Belichtungsreihe das vorletzte der überbelichteten Aufnahmen aus. Hier ist die Kantenschärfe gut und die Mauer ist mir für diese Aufnahme hell genug.

Beurteilung der Bildschärfe

Kantenschärfe beurteilenSelbstverständlich habe ich alle Fotos mit Spiegelvorauslösung aufgenommen und ein Stativ verwendet. Dennoch kann es dazu kommen, dass manche Aufnahmen immer noch unscharf werden. Oft reicht ein wenig Wind oder eine andere Art von Vibration um leichte Unschärfen in das Foto zu bringen. (Das dritte Foto mit der Dateiendung „c“ der Belichtungsreihe ist hier ein gutes Beispiel dafür – siehe Screenshot rechts).
Die vier gewählten Fotos für die HDR-Belichtungsreihe sind aber so weit in Ordnung. Problematisch könnte lediglich der Baum rechts im Foto werden, da etwas Wind gegangen ist. Ich hoffe, dass mir dadurch nicht zu viel Unschärfe in das HDR Foto kommt.

Beurteilung der chromatischen Abberation

Auch die „chromatische Abberation“ (falls Ihr nicht wisst, was das ist, könnt Ihr hier mehr darüber erfahren), sollte man sich noch ansehen, bevor man mit der eigentlichen Erstellung eines HDR-Fotos beginnt. Da ich mein Objektiv schon relativ gut kenne, weiß ich, dass sich immer ein bisschen was versteckt, daher gehe ich gleich mal in das Menü im Entwickeln-Modus in Adobe Photoshop Lightroom. Hier findet Ihr unter dem Punkt „Objektivkorrekturen“ weiter unten den Bereich für die chromatische Abberation.
chromatische AbberationAm besten Ihr sucht Euch eine Kante im Foto (hier z.B. im Screenshot links die Kante des Hauses) und entfernt diesen leichten Farbrand. erkennen könnt Ihr die chromatische Abberation generell an kontrastreichen Kanten (hell/dunkel Kontrast). Im Original Foto habe ich die chromatische Abberation für Rot/Cyan auf -13 gestellt, die chromatische Abberation für Blau/Gelb steht bei mir auf +18. Die Werte können in den Beispieldateien etwas abweichen, weil bei Euch die Auflösung geringer ist, probiert es aber dennoch einfach mal aus. Selbst wenn Ihr diese Änderungen von einem Foto ins andere in Lightroom kopieren könnt, überprüft das Resultat unbedingt, bevor Ihr weiter mit den Fotos arbeitet, da es hier auch je nach Lichteinfall und Streuung zu Unterschieden zwischen den einzelnen Aufnahmen kommen kann.
Ein schöner Nebeneffekt ist meist, dass das Foto durch die Anwendung der chromatischen  Abberation immer noch einen Tacken schärfer wird.

Wie Ihr seht, einfach gestackte Aufnahmen machen und ab zum HDR-Konvertieren ist meist nicht gegeben. Machen wir nun weiter mit der HDR Konvertierung.
Hier gibt es nun zwei unterschiedliche Ansätze. Die erste Möglichkeit ist die – meiner Meinung nach – technisch sauberere. Die Konvertierung zum HDR in Adobe Photoshop. Heute probiere ich aber zusätzlich noch die Konvertierung zum HDR-Foto in Nik HDR-Efex Pro aus.

2. Schritt: Konvertierung zu HDR in Adobe Photoshop

Wenn Ihr Adobe Photoshop installiert habt, bekommt Ihr die Fotos ganz einfach in Adobe Photoshop geladen. Markiert Euch hier mit der Shift Taste die vier Aufnahmen, die wir als gut befunden haben und klickt mit der rechten Maustaste auf eines der Fotos. Es öffnet sich das Untermenü und Ihr findet unter dem Menüpunkt „Bearbeiten in“ >> „In Photoshop zu HDR Pro zusammenfügen“.

Achtung: Wenn Ihr Änderungen in Adobe Photoshop Lightroom an den Fotos durchgeführt habt, werden diese beim Import in Photoshop beim Zusammenfügen als HDR nicht übernommen. Dies passiert dann, wenn die Adobe Photoshop Lightroom-Version aktueller ist, als Adobe Photoshop musste ich gerade feststellen – also erst mal ein Softwareupdate machen. Nach dem Update wurde die Adobe Bridge Schnittstelle und vor allen Dingen die Adobe Camera RAW Schnittstelle erneuert und der Export nach Photoshop funktioniert nun auch einwandfrei inkl. aller Änderungen und Überarbeitungen.
Also, sollte es bei Euch der Fall sein, dass er erst mal die Änderungen aus Lightroom nicht exportiert, einfach ein Update machen, dann sollte es funktionieren.

HDR-Pro in Adobe Photoshop

Habt Ihr alle vier Fotos in Photoshop geöffnet, so habt in der HDR-Oberfläche von Photoshop nun mehrfache Möglichkeiten, die 4 Fotos zusammenzufügen.

Die Möglichkeit welche die besten und die neutralsten HDR-Ergebnisse erzielt, ist die Variante zur Umwandlung in ein 32 bit Foto. Hier werden alle Bildinformationen, alle Farbinformationen erhalten und der größtmögliche Tonwertumfang bleibt erhalten. Hier habt Ihr „nur“ die Möglichkeit, den Weißpunkt des Fotos festzulegen und eventuell vorhandenes Ghosting zu entfernen.

32-bit HDR-Foto

32bit HDR FotografieWenn Ihr mit den Tutorial-Fotos arbeitet, empfiehlt sich in erster Linie ein Test ohne Anti-Ghosting, um zu sehen, ob sich die Äste des Baumes überlagern oder nicht. Ich habe meinen Weißpunkt etwas nach rechts verschoben, um das Foto ein wenig dunkler zu machen, als Photoshop dies vorschlägt. Bestätigt Ihr nun mit OK, so berechnet Photoshop den perfekten Durchschnitt des Fotos in 32 bit Qualität.
Ihr werdet feststellen, dass ein Anti-Ghosting nicht notwendig ist, wie Ihr an dem Ausschnitt links erkennen könnt. Was wir hier aber sehen ist, dass immer noch etwas chromatische Abberation im Foto übrig bleibt. Daher speichert das Foto einfach ab, Lightroom holt sich das Foto wieder zurück in die Bibliothek, wird allerdings nicht mit dieser 32bit Datei umzugehen wissen.
Tückisch ist hier, dass bei dem Foto rötliches Streiflicht herrscht, das vom Sonnenuntergang verursacht wurde. Das Positive bei der Konvertierung zu einem 32bit HDR ist eigentlich, dass Ihr jederzeit eine perfekte Ausgangsdatei habt, die weiteren Modi durchzugehen.

16-bit HDR-Pro

Um das Foto zu veröffentlichen geht Ihr wie folgt vor: Öffnet das 32bit HDR aus dem ersten Teil in Adobe Photoshop und geht im Programm-Menü auf Bild >> Modus und anschließend ganz unten auf 16bit. Es öffnet sich ein neues Dialogfenster in Photoshop, in dem Ihr nun die typische HDR-Konvertierung vornehmen könnt. Wenn Ihr das ursprüngliche Ergebnis behalten wollt, wählt lokale Adaption und ändert hier nur noch die Einstellung für die Belichtung ganz nach Euren Vorstellungen – Ihr erhaltet so ein perfektes Ergebnis für eine dezente HDR-Umwandlung.

16-bit HDR-Pro Umwandlung mit Effekten

HDR-Fotografie 16 bitUm noch mehr den für HDR typischen Bildeindruck zu erhalten, öffnet noch mal die 32bit Datei in Photoshop und folgt erst mal der Vorgehensweise einen Punkt zuvor. Hat Ihr das Foto im HDR-Pro Mode aufgemacht, so findet Ihr im Menü rechts ganz oben die Voreinstellungen. Die vermutlich dezenteste HDR-Bearbeitungsmethode (siehe Foto links) ist immer noch „Fotorealistisch“. Dies ist meine bevorzugte Umwandlung, wobei ich (gnadenlos) noch das Glühen an den Kanten rausnehme und den Radius auf ein Minimum reduziere. Nichts Schlimmeres als Halos in einem HDR-Foto.
Seid Ihr damit fertig, könnt Ihr eventuell noch die Sättigung anheben und die Schatten und Hightlights überarbeiten.

Fazit

Meiner Ansicht nach steht und fällt ein gutes HDR Foto mit der Vorbereitung. Korrigiert Ihr eventuelle Bildfehler wie die chromatische Abberation nicht schon vorab, wird Euer HDR-Ergebnis am Ende um so schlechter.

So, nun aber viel Spaß bei der Umwandlung und beim testen.

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