Bildkomposition beim Fotografieren – Rule of Thirds

Rule of thirds - Erklärung zur Fotografie Bildkomposition

Bevor ich genauer auf diese Regel für die Bildkomposition „Rule of Thirds“ eingehen will, muss ich sagen, dass ich leider keine passende, kurze Übersetzung des Namens für diese Bildgestaltungsregel finden konnte, und „Regel des Dreiteilens“ klingt nicht gut, auch wenn es sehr gut schon das beschreibt, worauf es ankommt.
Generell habe ich etwas Schwierigkeiten mit dem Wort „Regel“, denn eigentlich handelt es sich hier um ein Gestaltungshilfsmittel, das man als Fotograf kennen sollte, auch wenn man es nicht immer auf „Teufel komm raus“ beachten muss und sollte.

Original Textauszug - Rule of Thirds - wikimedia commons licenseBei der „Rule of Thirds“ handelt es sich um eine der klassischen Regel, die Ihr gerade bei der Landschaftsfotografie anwenden könnt. Aber auch in der Malerei und beim Design findet diese Gestaltungsregel Ihre Anwendung. Daher verwundert es auch nicht, dass diese „Rule of Thirds“ bereits um 1797 von John Thomas Smith, einem britischen Maler, Antiquitätensammler und Graveur in seinem Buch „Remarks on Rural Scenery“ definiert und erklärt wurde.

Wenn Ihr mehr darüber erfahren wollt, findet Ihr auf Wikipedia einen sehr guten Artikel über die Rule of Thirds auf Englisch.

So viel zur Geschichte der „Rule of Thirds“, jetzt will ich Euch anhand einiger Beispiele erklären, wie Ihr damit umgehen könnt. Und außerdem denke ich, dass viele Fotografen automatisch ein Gefühl dafür entwickeln, wie sie am besten Ihr Foto aufteilen, denn so etwas kommt in der Regel mit der Erfahrung. Also je öfter Ihr fotografiert, desto automatischer wendet Ihr auch solche Grundregeln an. Außerdem sei an dieser Stelle erwähnt, dass dem Menschen diese Regel normalerweise angeboren zu sein scheint, ebenso wie der goldene Schnitt, welchen die meisten Menschen automatisch richtig im Alltag anwenden.
Außerdem gibt es einige Hilfsmittel während dem Fotografieren, die Ihr anwenden könnt, aber dazu gleich mehr.

Beispiel zur Rule of Thirds in der Landschaftsfotografie

Rule of thirds - Erklärung zur Fotografie BildkompositionGerade in der Landschaftsfotografie wird die Rule of Thirds oft angewendet, wenn es darum geht, Wolkenstimmungen und Lichtstimmungen einzufangen, wie hier im Beispiel links.
Hier habe ich wie in allen anderen Beispielen mal die Aufteilung nach der Dreiteilung eines Fotos dargestellt durch die Linien die das Bild in 9 gleich große Teile unterteilen.
Wie Ihr hier seht, ist mein Horizont im Foto unterhalb der letzten Linie angeordnet, was dem Himmel deutlich mehr Raum im Foto gibt. Es ist wichtig, dass Ihr Euch durch solche „Regeln“ nicht zu sehr in Eurem Schaffen einschränken lasst. Selbstverständlich handelt es sich hier nur um Hilfestellungen für das Fotografieren. Auch die Bäume auf der rechten Seite finden ziemlich genau in den beiden linken unteren Quadraten Platz. Dies gibt dem Foto die notwendige Gewichtung im Gegensatz zu den fast übermächtigen Wolken im restlichen Bereich des Fotos.

Besonders bei Landschaftsfotos empfiehlt es sich eher weniger, den Horizont genau zentriert zu platzieren, denn sonst wirkt das Foto eher langweilig und gewöhnlich, da Himmel und Landschaft den selben Anteil am Foto einnehmen und der Betrachter keinem der beiden Bildbestandteile seine Aufmerksamkeit widmet.

Beispiel zur Rule of Thirds in der Architekturfotografie

Anwendung der Rule of Thirds - Regel in der ArchitekturfotografieAuch bei diesem, erst gestern aufgenommen Foto seht Ihr wieder, dass automatisch der „Horizont“ in einer Linie mit dem Horizont ist. So etwas geht einem irgendwann nach einiger Zeit fast in Fleisch und Blut über, je nachdem was man im Normalfall so fotografiert.
Gerade in der Architekturfotografie kann es manchmal sehr spannend sein, wenn nach der Rule of Thirds fotografiert wird. Was ich in letzter Zeit allerdings immer häufiger sehe, sind eher quadratische Architekturfotos – hier ändert sich oft auch die Gestaltung mehr in eine Mitten-betonte Gestaltung, was zwar zum einen Spannung aus dem Motiv nimmt, jedoch für mehr Symmetrie sorgt.

Weitere Beispiele wo man die Rule of Thirds erkennen kann

Die Rule of Thirds in der AnwendungRule of Thirds in der TierfotografieZwei weitere Fotos möchte ich Euch noch zeigen, in denen auch die Rule of Thirds Anwendung findet.
Bei beiden Fotos erkennt Ihr, dass die wesentlichen Objekte des Fotos immer in einem oder mehreren drittel plaziert wurden. Beim Foto links, ist der Skater ganz unten, der Spiegel in der Mitte und der Horizont nimmt ziemlich genau das obere Bilddrittel ein. Der Betrachter nimmt unbewusst eine von links unten aufsteigende Linie wahr.
Im Foto rechts fällt auf, dass der dunkle Bildbereich im Hintergrund erst wirklich das obere Bilddrittel in Beschlag nimmt. Links unten wieder das Objekt mit dem Haupt-Fokus (nimmt 4 Quadrate ein).

Übt das am besten selbst mal bei unterschiedlichen Motiven. Ihr werdet sehen, dass Ihr so interessantere Fotos fotografieren könnt. Ich bin mir sicher, dass Euch das mit der Zeit automatisch in Fleisch und Blut übergeht, sodass Ihr dann bewusst schon vor dem Auslösen überlegen könnt, wie Ihr Euer Foto gestalten wollt und welche Bildwirkung oder Bildkomposition Ihr erreichen wollt.

Einblenden der Linien im Sucher der Kamera

In der Regel haben alle digitalen Spiegelreflex-Kameras die Möglichkeit schon im Sucher diese Hilfslinien einzublenden, aber auch viele kompakte Digitalkameras bieten mittlerweile diese Hilfestellung der Rule of Thirds – Linieneinblendung.
Ich würde empfehlen, Euch diese Linien einblenden zu lassen, bis Ihr die Rule of Thirds beherrscht und die Hilfslinien nicht mehr benötigt.

Aber jetzt wie immer: Viel Spaß beim Fotografieren!

Bildreferenz: Rule of Thirds (wikimedia commons), andere Fotos von mir.

2 Comments

  • Till Schramm sagt:

    Hallo,

    schöne Zusammenfassung der „Drittel-Regel“ als hilfreiches Gestaltungselement. Ein kleine Ergänzung noch: Die Rule of Thirds ist eine vereinfachte Form des Goldenen Schnitts und wird bereits seit Jahrtausenden in Mathematik, Naturwissenschaft und Kunst angewendet und studiert.

    Die „Goldene Zahl“ Phi ist nicht nur eine mathematische Naturkonstante, wie Pi, sondern diente von griechischen Bildhauern bis hin zu Bach als Inspiration und Vorlage. Letzterer komponierte ganze Stücke nach dem Prinz des Goldenen Schnitts um die perfekte Harmonie musikalisch darzustellen.

    Ein Kapitel also, in dass es sich lohnt rein zu fuchsen. Aber, wie Du schon richtig erwähnt hast: „Learn the rules so you know how to break them properly.“

    Grüße
    Till

  • Die Drittel-Regel ist weder so wichtig wie sie immer dargestellt wird, noch ist sie eine vereinfachte Form des Goldenen Schnitts.

    Hier mal etwas Gedankenfutter dazu:
    https://petapixel.com/2016/01/30/10-myths-about-the-rule-of-thirds/

    Wenn dadurch etwas Appetit bzgl. Dynamischer Symmetrie und Gestalt-Theorie geweckt wurde – ich habe auch eine (noch kleinen) Artikelserie zu den Themen:

    https://frank.tegtmeyer.net/artikel-serie-zu-bildkomposition/

    Viele Grüße, Frank

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