B+W Schneider Kreuznach Neutraldichte-Filter (ND-Filter) an der Nikon D700

Weißabgleich mit Neutraldichte-Filter von B+W Schneider Kreuznach an der Nikon D700

Endlich hatte ich mal Zeit, die Neutraldichte Filter von B+W Schneider Kreuznach zu testen und am Weitwinkel-Objektiv meiner Nikon D700 auszuprobieren – Besonders bei der Architektur-Fotografie kann der Einsatz eines solchen Filters echt interessant sein, weil man hier ein wenig Unschärfe in das Foto bekommt, wo sie auch gerne auftreten darf, nämlich auf vorbeilaufende Personen, Bäumen und Gras im Wind, Wolken und vielem mehr. Vor einigen Tagen habe ich bereits ein paar Fotos hier gepostet, die mit Neutraldichte-Filtern aufgenommen wurden und falls ich noch nicht wisst, wie Neutraldichte-Filter funktionieren, dann könnt Ihr hier mehr darüber lesen (Test eines variablen ND-Filters).

Generelles zum Schneider-Kreuznach ND-Filter

Ich habe gestern gleich zwei Filter von B+W Schneider Kreuznach ausprobiert, einzeln und in Kombination. Nach meinem Test eines variablen Neutraldichte-Filters, war ich erst mal etwas von der Verarbeitungsqualität und Auflösungsqualität enttäuscht, auch wenn ein variabler Filter durchaus in manchen Situationen Sinn machen kann.

Im Test waren die Filter mit 10-stop (10 Blendenstufen – B&W Graufilter/Neutraldichtefilter (110) 1000x ND 3,0 MRC VERGÜTET 77mm) und 3-stop (3 Blenden – B&W grau 8x (103) F-Pro 77 E) Neutraldichte. Dies bedeutet, dass jeweils die Blende um 3 Stufen bzw. um 10 Stufen weiter geöffnet werden kann, um die selbe Belichtungszeit zu erreichen. Durchaus interessant für manche Situationen, für mich um so interessanter, die Belichtungszeit noch weiter in die Länge zu strecken, um dies in der Architekturfotografie zu verwenden.
Die Verarbeitung beider Filter, die Vergütung der Gläser und die Abbildungsleistung ist einwandfrei und nicht zu beanstanden. Hier merkt man einfach den qualitativen Unterschied zwischen günstigen Filtern und teureren Filtern.

Folgende Dinge solltet Ihr unbedingt beachten:

Weißabgleich beim Einsatz von Neutraldichte-Filtern nicht beachtetRichtiger Weißabgleich beim Einsatz von GraufilternDie Farbtemperatur wird bei den meisten Graufiltern / Neutraldichtefiltern wärmer. Dies ist kein Zeichen für schlechte Verarbeitung, sondern einfach eine Begleiterscheinung bei der Verwendung eines Neutraldichte-Filters am Objektiv. Zum vergleich seht Ihr links ein Foto ohne die richtige Kelvin-Zahl für die Farbtemperatur einzustellen. Rechts habe ich die Kelvin-Zahl runtergesetzt, um ein etwas kühler anmutendes Bildergebnis zu erhalten, welches eher der aktuellen Situation vor Ort entsprach.

Zum Anderen – Neutraldichte-Filter, wenn man Sie voreinander schraubt, also den einen Filter vor den anderen Filter schraubt (später dazu noch ein Foto mit 1:30 Minuten Belichtungszeit am helllichten Tag), multipliziert sich deren Wirkung und addiert sich nicht!! Also, in meiner Kombination wird dadurch eine Belichtungszeitverlängerung von 30 Blenden und eben nicht von „nur“ 13 Blenden!

Die Berechnung der Belichtungszeit bei der Lanzeitbelichtung mit Neutraldichtefiltern kann man anhand der Tabelle die ich hier zum Thema Langzeitbelichtungen am Tag schon mal aufgeschrieben habe vornehmen. Zur Sicherheit hier aber noch mal die passende Tabelle für Euch.

Dichte von Graufiltern

Dichte (ND)Verlängerungsfaktor (Verschlusszeit)Lichtreduzierung in Blendenstufen
0,32 x1
0,64 x2
0,98 x3
1,864 x6
3,01.000 x10
4,010.000 x13
6,01.000.000 x20
Tabellarische Gegenüberstellung der Dichte (ND) von Graufiltern in Bezug auf Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit und der Lichtreduktion in Blendenstufen

Zur Berechnung der Belichtungszeit geht Ihr am besten wie folgt vor:

  1. Belichtung ohne aufgeschraubten Filter am Display der Kamera nach dem Scharfstellen des Motivs ablesen.
  2. Kamera auf „Manuellen Modus“ stellen, ebenso das Objektiv, da manchmal die Schärfeeinstellung der Kamera nach Anbringen der Filter nicht mehr funktioniert.
  3. Anhand der Tabelle die Belichtungszeit multiplizieren.

Beispiel und Vergleich zweier Langzeitbelichtungen mit beiden vorgeschraubten Filtern an der Kamera

50 Sekunden Langzeitbelichtung mit ND-Filter von Schneider Kreuznach am Marienplatz München90 Sekunden Langzeitbelichtung mit ND-Filter von Schneider Kreuznach am Marienplatz MünchenDa ich gestern in der Innenstadt Münchens gewesen bin, konnte ich bei schönem Wetter mal ausprobieren, wie lange ich mit beiden vorgeschraubten Filtern am Objektiv belichten kann, ohne ein überbelichtetes Foto zu erhalten. Links seht Ihr eine Aufnahme mit ca. 50 Sekunden Belichtungszeit, rechts eine Aufnahme des selben Motivs mit ca. 1:30 Minuten Belichtungszeit. Leider hat es nicht ganz gereicht für einen leeren Marienplatz (abgesehen von den Menschen die im Lokal saßen, aber immerhin. Aber die Helligkeit hat sich vielleicht um 1 komplette Blendenstufe verändert, trotz der wesentlich längeren Belichtungszeit.
Mit Neutraldichtefiltern oder Graufiltern lassen sich also wirklich interessante Fotos machen, man sollte deren Einsatz nur nicht übertreiben und sie gezielt einsetzen. Will man ein beeindruckendes Ergebnis erhalten, so sollte man gezielt das richtige Wetter und die richtige Lichtstimmung abwarten, erst dann erhält man ein schönes Ergebnis.

Viel Spaß beim Herumexperimentieren!

4 Comments

  • Andreas R. sagt:

    Du schreibst: multipliziert sich deren Wirkung und addiert sich nicht!! Also, in meiner Kombination wird dadurch eine Belichtungszeitverlängerung von 30 Blenden und eben nicht von “nur” 13 Blenden!
    So schreibt es B+W: Die Wirkung zweier Graufilter ergibt sich aus der Addition der Dichtewerte, z. B. die B+W-Graufilter 101 und 102 haben eine gemeinsame Dichte von 0,9 und entsprechen damit der Wirkung des B+W-Graufilters 103.

    Mit freundlichem Gruß
    Andreas

  • Gerd sagt:

    Hallo Ben,
    ich habe deine interessanten Infos gelesen und trotzdem bleibt eine Frage für mich offen, die du vielleicht aus deiner Erfahrung heraus beantworten kannst. Im April bin ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten als „Tourie“ unterwegs und Frage mich, ob es sinnvoll ist einen Graufilter für die Nikon D 7000 anzuschaffen? Objektiv…17-70, 2.8-4.5. Ich denke, das ich oftmals in die Verlegenheit kommen werde zur Mittagszeit, in gleißender Sonne, Fotos zu machen…..“weil die Karavane“…..immer weiter zieht. Die Frage die sich ergibt, welcher Graufilter käme in Frage, um überbelichtete, ausgefressene Fotos ohne Kontrast zu vermeiden?
    Ein Tipp wäre toll!

    Beste Grüße
    Gerd

    • Ben Moll sagt:

      Hallo Gerd,

      meiner Ansicht nach würde es sich durchaus lohnen, sich einen oder mehrere ND-Filter für die Reise zuzulegen.
      Da ich zwar noch nicht unter diesen Bedingungen selbst fotografiert habe, aber ich würde schätzen, dass neben einem (gerade übrigens extrem reduzierten ND4 Filter der Firma Hoya) ND4-Filter, unbedingt einen Grauverlaufsfilter empfehlen.
      Letztere sind in guter Qualität jedoch nicht besonders günstig, würden sich aber empfehlen, da Du hiermit den Himmel z.B. abdunkeln könntest um noch bessere Kontraste zu erhalten. Wichtig ist es auch, auf die richtige Belichtung zu achten, gerade in solchen „Extremsituationen“ wie in der Wüste (ich kann dies nur aus eigener Erfahrung sagen).

      Wenn Du weitere Infos bräuchtest, kann ich Dir auch gerne noch weiterhelfen!
      Beste Grüße,
      Ben

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